Zwei Kriege halten die Welt derzeit in Atem, neben vielen weiteren bewaffneten Konflikten, die weit weniger Aufmerksamkeit erhalten. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine und der lange Konflikt zwischen Israel und Palästina bestimmen die Nachrichten dieses Jahres 2023. Der Krieg mit seiner Härte und Zerstörung steht in engem Zusammenhang mit kulturellen Konflikten, Identitätskonflikten und gesellschaftlichen Problemen. Und hier sind Übersetzen und Dolmetschen von entscheidender Bedeutung.
Übersetzerinnen, Übersetzer und Dolmetschende spielen in Kriegs- und Konfliktsituationen bedeutende Rollen, stehen dabei oft vor außergewöhnlichen Herausforderungen und leisten entscheidende Beiträge zu Kommunikation, Diplomatie und Geschichte. Gerade Diplomatie und Verhandlungen, humanitäre Hilfe oder Kriegspropaganda haben viel mit Sprachen und Verständigung zu tun. Und im Lauf der Geschichte gab es zahlreiche außergewöhnliche Ereignisse in diesem Zusammenhang, die den Verlauf von Kriegen geprägt haben. Sehen wir uns einige davon an.
- Der Navajo-Code im Zweiten Weltkrieg: Im Zweiten Weltkrieg warben die Vereinigten Staaten Muttersprachler des Navajo (einer indigenen Sprache Nordamerikas) als Verschlüssler geheimer Nachrichten an. Diese Navajo-Sprecher entwickelten einen auf ihrer Sprache beruhenden Code, der sich für die feindlichen Streitkräfte als unknackbar erwies.
- Die Schlacht der Sprachen im Kalten Krieg: Im Kalten Krieg startete die CIA ein Programm zur maschinellen Übersetzung namens „Projekt Übersetzungsmaschine”, um russische Kommunikation zu entschlüsseln. Das Ergebnis war jedoch aufgrund kultureller und sprachlicher Unterschiede oft unfreiwillig komisch. Auf halbem Weg zwischen Tatsache und Legende erreichte der Satz „The spirit is willing, but the flesh is weak” (aus dem Markusevangelium) die russische Kommunikation wörtlich („дух бодр, плоть же немощна” in kyrillischer Schrift) und kam, zurück ins Englische übertragen, als „The vodka is good, but the meat is rotten.” an.
- Die Dolmetscherin Olga Tufnell im Ersten Weltkrieg: Die russische Dolmetscherin Olga Tufnell wurde im Ersten Weltkrieg zu einer sinnbildlichen Gestalt. Sie dolmetschte für den britischen General Edmund Allenby im Feldzug in Palästina und spielte eine entscheidende Rolle im Austausch zwischen den britischen Streitkräften und den arabischen Stämmen.
- Übersetzer bei den Nürnberger Prozessen: An den Nürnberger Prozessen, die dem Zweiten Weltkrieg folgten, waren zahlreiche Übersetzende und Dolmetschende beteiligt, die bei der Übertragung von Zeugenaussagen und Beweisdokumenten in mehrere Sprachen eine grundlegende Rolle spielten und so ein faires Verfahren sicherstellten.
- Dolmetschende im Vietnamkrieg: Die Dolmetschenden, die in Vietnam mit den US-Streitkräften arbeiteten, waren äußerst gefährlichen Situationen ausgesetzt. Viele von ihnen wurden wegen ihrer Verbindung zu den US-Streitkräften zu Zielen des Gegners.
- Das Kino und die Übersetzung: „The Interpreter” (2005) oder „The Covenant” (2023) sind zwei filmische Beispiele für das Thema Dolmetschen und Übersetzen in Kriegszeiten.




